2010 - Pleitewelle erwartet und auf Staatsbankrotte wird gewettet


Reuters - Hauptsächlich soll die Pleitewelle 2010 offenbar den Mittelstand treffen. Es wird vermutet, dass die Zahl der Insolvenzen auf mehr als 38.000 steigt. Dieses Szenario sei "unausweichlich" aber werde nicht so schlimm kommen wie 2003, als es 39.470 Konkurse gab. Die Kreditklemme sorge dafür, dass die Kapitalpuffer der Unternehmen schmelzen "wie Schnee in der Sonne." Helmut Rödl - Chef der Kreditauskunftei Creditreform - behauptet, dass jedes dritte Unternehmen mit weniger als 10% Eigenkapitalquote arbeitet und appelliert daher an die Banken, mit allen Maßnahmen zu versuchen, die Schritte in die richtige Richtung einzuschlagen und die Zukunftsperspektiven der Kreditnehmer stärker als biher zu bewerten. Er rät zur Risikominimierung, sogar zum "Ausplatzieren von Krediten am Kapitalmarkt".

Mit Arcandor - der schlimmsten Pleite in der Nachkriegsgeschichte - Escada, Qimonda, Woolworth und diversen Autozulieferern war 2009 "das Jahr der Großinsolvenzen", so Rödl. Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung hätten wichtige Firmen mit getroffen, so müsse der Staat mit Abschreibungen von 11,5 Milliarden Euro rechnen und 521.000 Menschen stünden der Arbeitslosigkeit gegenüber. Die Zahl der Privatinsolvenzen hingegen bleibt nahezu gleich (von 98.450 auf 98.800).

"Die Welt" spricht von einer drastischen Zunahme der Konkurse - allein in Hamburg um fast 30% - und erwartet Ausfälle bei notleidenden Forderungen von 750 Millionen Euro. Andere Bundesländer, wie Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt würde es jedoch weit schwerer treffen - mit 1,54 bis 1,66 Prozent (fast jede sechzigste bzw. fünfundsechzigste Firma) bedrohten Unternehmen. "Der Standard" schaut mit Sorge in den Osten Europas und bezieht sich auf eine Studie von UniCredit. Demnach soll bereits jeder dritte Schuldner zahlungsunfähig sein. Auch stehe der Höhepunkt einigen Regionen noch bevor und die Zahl der faulen Kredite werde weiter steigen. Die hohen Ausfallraten würden sich massiv auf die Bilanzen der Banken und Staaten auswirken. Für den Finanzsektor des baltischen Raums werden erst 2012 wieder schwarze Zahlen erwartet. Allerdings sehe man auch große Wachstumschancen für weitere - in diese Region gelockte - Konkurrenten, sodass die Krise eine Neustrukturierung - speziell im Bankensektor - zur Folge hätte.

Das "Handelsblatt" befürchtet sogar Staatspleiten und schlüsselt auf, welche Länder aktuell "auf der Kippe stehen". Die Börse wettet offensichtlich schon mal auf die ersten Opfer und spielt mit den "Credit Defaut Swaps" (CDS) eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Die CDS sind eine Risikoprämie für Investoren, die ihre Staatsanleihen gegen Zahlungsausfälle versichern wollen. Je höher das Risiko eines Bankrotts, desto höher ist die "Versicherungsprämie". Abhängig vom Rating der Agenturen - wie S&P, Moody's oder Fitch - wird die Bonität der Staaten, damit das Risiko und die Höhe der Prämie bestimmt. "Es wird weiter gebastelt, geschönigt, geflickt und gelogen", so der Kommentar des Lesers 'Erwin'. Weiter meint er, mit Bezug auf das FIAT-Geld-System: "Je länger es dauert, umso größer wird der RUMMMMS.... Aber das ist wohl so gewollt".

Die größten Sorgenkinder - Ukraine, Griechenland, Lettland, Pakistan, Island, Japan - sind allseits bekannt. Auch Großbritannien, Italien oder Spanien blieben nicht unbehelligt. Neu dazu gekommen sind Dubai und Abu Dhabi. Jeder Kontinent ist betroffen und gefährdet, doch das Spiel geht immer weiter.

Im einzelnen beleuchtet das Handelsblatt unter anderem die Staaten Argentinien (das bereits 2001 alle Zahlungen der Auslandsschulden einstellte) Venezuela (mit einer Inflationsrate von 25%) Russland (das 1998 und 1999 die Rubelkrise erlebte) und China (die mit Reserven im Wert von 2,27 Billionen $ abhängig von der Stabilität der USA ist). "Solange Amerika nicht ins Wanken gerät" sind offenbar alle Sorgen vergessen. Dass die Schulden der Vereinigten Staaten allerdings fast so hoch sind wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes, sorgt nicht einmal für eine Herabstufung des Ratings. Noch immer steht es bei "Triple A". Russlands Schuldenberg beläuft sich auf rund 9% des BIP, dennoch ist hier das Rating bei "BBB".

Deutschland steht mit 77 Prozent Verschuldung der Wirtschaftsleistung noch recht stabil gegenüber anderer Staaten in Europa, während für die Franzosen ein hundertprozentiges Defizit bis 2012 vorhergesehen wird. Beide Staaten bekommen aber auch noch immer das AAA-Rating von den Agenturen. Finnland hatte glücklicherweise die Option einer Mehrwertsteuererhöhung bisher noch nicht gebraucht und konnte diese dann 2009 ziehen.

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