Wir sind im Krieg - Interview mit einer Bundeswehräztin

Spiegel online - Die Medizinerin Heike Groos war jahrelang in Afghanistan stationiert. Bereits bei ihrem zweiten Einsatz wurde sie aus der Friedenseinsatz-Idylle gerissen. Durch den ersten toten Soldaten den Heike Groos - bei Sonne, wunderschönen Landschaften, netten Kameraden und einer "Es wird schon nix passieren"-Stimmung - erleben musste, hatte sie erst kapierte, wo sie eigentlich war. Mit dunkelhaarigen, schlaksigen Jungen, die sie an ihren ältesten Sohn erinnerten, in einem Panzer, zusammen mit der Leiche, die "nur noch Brei war".

Nach dem 11. September 2001 bekam Groos eine Anfrage vom Verteidigungsministerium, ob sie nicht zu Bundeswehr zurück wolle. In Afghanistan benötige man Ärzte. Vor elf oder zwölf Jahren war die damalige Zeitsoldatin zuletzt in einer Kaserne und hat mittlerweile fünf Kinder in die Welt gesetzt. Anfangs glaube sie an einen Scherz. Aber die feste Anstellung und das soziale Netz erschienen verlockend. Es sollte unkompliziert sein. Nur manchmal, kurz, für ein paar Wochen als Truppenärztin nach Afghanistan reisen, um die Truppen dort zu versorgen. Sonst in Gießen arbeiten. Doch es kam natürlich anders.

Auch berichtet sie von einer starken Veränderung in den Denkweisen der Truppen, in der Verhältnissen zu der einheimischen Bevölkerung und einer schleichenden Zuspitzung der Zustände. Deutsche Sanitäter und Ärzte hatten mit afghanischen Praxen und Krankenhäusern zusammengearbeitet. Medikamente verteilt. Patienten behandelt. Nach einigen Anschlägen auf die Bundeswehr wurde die Zusammenarbeit jedoch verboten, so dass Freunde zu Feinden werden. Auch die Neuankömmlinge aus Deutschland kamen mit einer anderen Mentalität als frühere Soldaten. Sie steigen aus dem Flugzeug und stellen Fragen, wie "Wo sind die Taliban?" und bestärken "Wir wollen kämpfen!" und sind dann enttäuscht wenn sie nur Wachdienst haben.

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